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„Ich denke, dass seine Lieder keine Massen-Chorlieder sind, sondern dass der Einzelne eine einzelne Verantwortung hat, und das kommt auch in der Ästhetik zum Ausdruck: Man kann sie nicht als 'Marschmusik' singen – das finde ich so genial und so wundervoll... Und deswegen liebe ich ihn noch mehr.“ (Klaus Grabenhorst über Bulat Okudschawa)

Dass ein Erinnerungskonzert für einen der berühmtesten russischen Barden zwei Kulturen verbindet, ist ein einzigartiger Moment. Schließlich ist das Bardenlied, das in Russland Kultstatus genießt, in der deutschen Musiklandschaft weniger bekannt. Umso überwältigender ist es daher, dass der deutsche Chansonnier Klaus Grabenhorst, der selbst nur wenige Worte Russisch spricht, wundervolle deutsche Versionen von Bulat Okudschawas Werken erschaffen hat. Mithilfe von deutschen Rohfassungen der Lieder, angefertigt von seinem Freund Leonid Sokolov und dessen Frau Olga, gelang Klaus Grabenhorst Unglaubliches: Nicht nur Rhythmus und Melodie der Originale sind in den Liedern erhalten – auch deren Reime, Poesie und Tiefsinn vermag der sympathische Sänger perfekt ins Deutsche zu übertragen.

Von diesem einmaligen Talent durften sich die Besucher des Konzerts in der Russischen Gesellschaft NRW persönlich überzeugen und begeistern lassen. Selbst diejenigen, die die russischen Lieder nicht kannten, waren spätestens bei Klaus Grabenhorsts Version von „Ach Arbat, moi arbat“ - „Ach Arbat, mein Arbat“ zu Tränen gerührt.
„Wenn ich das Lied vom Arbat in Deutschland singe“, erzählt der Chansonnier über das emotionale Werk, „spüren die Menschen an der Melodie, dass da irgendwas ganz, ganz, ganz Besonderes ist. Und wenn ich hinterher frage 'Welche Lieder haben euch gefallen?', wird immer das Lied vom Arbat genannt.“

Selbstverständlich darf beim Erinnerungskonzert an einen russischen Künstler auch ein russischer Teil nicht fehlen, der von Oleg Khojanov und Stanislav Sabetski gestaltet wurde. Khojanov ist Veranstalter des weltweit bekannten und in Europa größten Wuppertaler Bardentreffens, das dieses Jahr bereits zum siebzehnten Mal stattfinden wird. Sabetski, der in Düsseldorf lebt und arbeitet, kannte den Meister des Bardenliedes persönlich und lässt sich bis heute von dessen Schaffen inspirieren. Die beiden Musiker trugen die Lieder in ihrer usprünglichen Sprache vor und weckten beim Publikum nostalgische Erinnerungen. Sabetski stellte außerdem eine Reihe von weniger- und gar unbekannten Liedern Okudschawas vor, die sogar Kenner in Staunen versetzten.

14 Jahre nach seinem Tod bleibt Bulat Okudschawa ein unvergessenes Genie, dessen Lieder nie verstummen. Und mehr als das: An diesem einzigartigen Abend hat die Erinnerung an ihn Russland und Deutschland vereint.